Kurz zusammengefasst
Auf Galaxus verkaufen Schweizer KMU über das Händlerprogramm: Sie verkaufen unter eigenem Namen, bestimmen die Preise und versenden selbst, Galaxus vermittelt gegen eine kategorieabhängige Provision – ohne Grund- oder Einrichtungsgebühr. Die Aufnahme ist selektiv und setzt unter anderem einen Handelsregistereintrag, eine Schweizer Retourenadresse und vollständige Produktdaten mit GTIN voraus. Für den Betrieb braucht es einen automatisierten Datenaustausch per Feed und EDI; mit erfahrenem Partner ist die technische Anbindung als Richtwert in drei bis sechs Wochen produktiv.

Warum Händler auf Galaxus verkaufen
Galaxus gehört zur Digitec Galaxus AG, einem Unternehmen der Migros-Gruppe, und gilt als grösster Onlinehändler der Schweiz. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete das Unternehmen einen Plattformumsatz von rund CHF 3,76 Milliarden (plus 17 Prozent), fünf Millionen Kundinnen und Kunden und rund zehn Millionen verfügbare Produkte. Die Schweiz ist dabei der mit Abstand wichtigste Markt.
Einen grossen Teil dieses Sortiments liefern nicht Galaxus selbst, sondern Partner. Das Händlerprogramm existiert seit 2016 und hat Galaxus vom Onlineshop zum Marktplatz gemacht; Ende 2024 waren über 1000 Marktplatz-Händler angeschlossen. Für ein Schweizer KMU ist der Galaxus Marketplace damit vor allem ein Reichweitenkanal: Sie müssen keinen Traffic einkaufen, sondern werden dort gefunden, wo ohnehin gesucht und verglichen wird. Die Kehrseite: Sie stehen direkt neben anderen Anbietern, und Preis, Lieferzeit und Datenqualität entscheiden über den Verkauf. Wie sich der Marktplatz neben dem eigenen Onlineshop einordnet, zeigt unser E-Commerce-Plattform-Vergleich für die Schweiz.
Händlerprogramm oder Lieferant: zwei Wege auf Galaxus
Wer als Unternehmen auf Galaxus verkaufen will, hat grundsätzlich zwei Modelle zur Auswahl. Sie unterscheiden sich darin, wer die Ware an die Endkundschaft verkauft – und damit, wer Preis, Lager und Versand kontrolliert.
| Kriterium | Händlerprogramm (Marketplace) | Lieferant (Supplier) |
|---|---|---|
| Wer verkauft an die Kundschaft? | Sie – der Kaufvertrag kommt direkt zwischen Ihnen und der Kundschaft zustande | Galaxus – Sie verkaufen an Galaxus |
| Preishoheit | Bei Ihnen | Bei Galaxus; Sie liefern zu einem vereinbarten Einkaufspreis |
| Sichtbarkeit | Angebot unter Ihrem Firmennamen gekennzeichnet | Produkt erscheint als Galaxus-Angebot |
| Bestellungen | Pro Kundenbestellung, rund um die Uhr | Automatisierte Nachbestellungen nach Bedarf, Rhythmus laut Vertrag |
| Vergütung | Verkaufspreis abzüglich Provision | Einkaufspreis von Galaxus |
| Passend für | KMU mit eigenem Lager, eigener Marke oder Nischensortiment | Hersteller und Grosshändler mit stabilem Volumen |
Daneben gibt es den Wiederverkauf durch Privatpersonen, der für gewerbliche Händler aber keine Rolle spielt. Dieser Leitfaden konzentriert sich auf das Händlerprogramm – den Weg, auf dem Schweizer KMU unter eigenem Namen Galaxus-Händler werden. Bezahlt wird dabei im Galaxus-Checkout; Sie erhalten den Erlös abzüglich Provision gemäss Abrechnung. Wie Kundenanfragen, Retouren und Garantiefälle zwischen Ihnen und dem Galaxus-Kundendienst aufgeteilt sind, regelt Galaxus in seinen Partner-Prozessen – ein Punkt, den Sie im Onboarding-Gespräch genau klären sollten.
Voraussetzungen: Was Galaxus-Händler erfüllen müssen
Das Händlerprogramm ist kein offener Marktplatz, auf dem jeder sofort loslegt. Galaxus entscheidet im Einzelfall, ob Firma und Sortiment zum Shop passen. Formell nennt Galaxus im Partner Help Center für den Verkauf in der Schweiz (Stand Oktober 2026) diese Anforderungen:
- Geschäftsadresse in der Schweiz, der EU, Norwegen oder Grossbritannien – Schweizer Firmen brauchen einen Handelsregistereintrag.
- Retourenadresse in der Schweiz.
- Garantierte Lieferung in die ganze Schweiz und nach Liechtenstein.
- Vollständige Produktdaten: GTIN (EAN), Ursprungsland und Gewicht sind Pflicht; kaufrelevante Merkmale, Beschreibungen und Bilder sollen vorhanden sein.
- Einhaltung der Compliance-Vorgaben, etwa zu Steckern bei Netzgeräten und Produktsicherheit.
- Annahme der AGB der Digitec Galaxus AG und Einhaltung der vereinbarten Service-Levels.
- Erfüllung der technischen Integrationsanforderungen für den automatisierten Datenaustausch.
Für Schweizer Händler kommt die Mehrwertsteuer dazu: Preise werden in CHF inklusive MWST angegeben (Normalsatz 8,1 Prozent), und der korrekte Satz muss pro Artikel in den Daten stehen. Weil Sie selbst Vertragspartner der Kundschaft sind, gelten für Ihre Angebote auch Ihre Pflichten aus dem Datenschutzrecht – die revDSG-Checkliste für KMU hilft beim Abgleich. Die genauen Service-Levels, etwa zu Antwort- und Versandzeiten, erhalten Sie im Onboarding; sie fliessen direkt in Ihre Bewertung als Händler ein.
Was kostet es, auf Galaxus zu verkaufen?
Galaxus verlangt für das Händlerprogramm keine Grund- oder Einrichtungsgebühr, und prominente Platzierungen lassen sich nicht kaufen. Bezahlt wird eine Provision pro Verkauf, die von der Produktkategorie abhängt. Galaxus publiziert keine öffentliche Provisionstabelle; Fachberichte nennen Spannen von rund 5 bis 20 Prozent des Netto-Verkaufspreises. Verbindlich ist nur, was in Ihrem Vertrag steht. Für eine ehrliche Margenrechnung gehören aber weitere Positionen dazu:
| Kostenblock | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|
| Provision | Kategorieabhängig, auf den Netto-Verkaufspreis; vor dem Start pro Warengruppe schriftlich klären |
| Versand & Verpackung | Sie liefern selbst – Paketkosten, Verpackung und Lieferzeit-Versprechen einrechnen |
| Retouren & Servicefälle | Rücksendungen an Ihre Schweizer Retourenadresse, Prüfung und Wiederaufbereitung kosten Zeit |
| Datenpflege | Produkttexte, Bilder und Attribute nach Galaxus-Vorlage – einmalig aufwendig, danach laufend |
| Technische Anbindung | Feed und EDI selbst bauen oder als Dienstleistung beziehen; bei GIAR Digital als SaaS ab CHF 200 pro Monat |
| Preisdruck | Direkter Vergleich mit anderen Anbietern auf derselben Produktseite – Marge realistisch kalkulieren |
Faustregel: Rechnen Sie jede Warengruppe einzeln. Ein Artikel mit hoher Marge und geringem Retourenrisiko verträgt eine höhere Provision besser als ein preisgetriebenes Massenprodukt. Wer zusätzlich die eigene Buchhaltung sauber anbindet – etwa über Bexio oder Abacus –, sieht die Marktplatz-Marge pro Kanal statt nur im Jahresabschluss.
Galaxus-Händler werden in fünf Schritten
Bewerbung als Galaxus-Partner
Die Bewerbung läuft online über die Händlerseite von Galaxus. Beschreiben Sie Sortiment, Marken, Preisniveau, Lieferfähigkeit und Lagerstandort konkret – Galaxus achtet darauf, ob das Angebot das bestehende Sortiment sinnvoll ergänzt.
Prüfung, Konditionen & Vertrag
Galaxus prüft Firma und Sortiment und legt die kommerziellen Konditionen fest, insbesondere die Provision pro Kategorie. Mit dem Vertrag akzeptieren Sie die AGB und Service-Levels und erhalten Zugang zum Partner Portal.
Produktdaten aufbereiten
Artikel werden nach den Vorlagen von Galaxus aufbereitet: GTIN, Artikelnummer, Marke, Titel, Kategorie, Preis inklusive MWST, Bestand, Ursprungsland, Gewicht und frei zugängliche Bildlinks, in mindestens einer Landessprache oder Englisch. Fehlende GTINs sind der häufigste Bremsklotz.
Technische Anbindung & Testphase
Produktdaten, Bestände und Bestellungen werden automatisiert zwischen Ihrem Shop- oder ERP-System und Galaxus ausgetauscht. In einer getrennten Testumgebung prüft Galaxus mit Testbestellungen, ob Bestellimport, Bestandsupdates und Versandmeldungen korrekt fliessen.
Go-live & Optimierung
Ihre Angebote gehen unter Ihrem Firmennamen live. Danach zählen Lieferzeit, Stornoquote und Datenqualität: Im Partner Portal sehen Sie Bestellungen, Performance-Kennzahlen und Abrechnungen. Sortiment schrittweise ausbauen, statt alles am ersten Tag einzustellen.
Wie lange dauert das? Galaxus nannte in früheren Integrationsunterlagen zwei bis vier Monate für Onboarding und Integration insgesamt. Die reine technische Anbindung ist mit einem erfahrenen Partner als Richtwert in drei bis sechs Wochen produktiv – vorausgesetzt, die Produktdaten sind sauber. Lückenhafte Stammdaten verlängern jedes Projekt; es lohnt sich, sie vor der Bewerbung zu bereinigen.
Datenaustausch: Feed, EDI und SFTP verständlich erklärt
Galaxus ist konsequent auf automatisierte Prozesse ausgelegt. Technisch besteht der Datenaustausch aus zwei Teilen: einem Produkt-Feed in Richtung Galaxus und dem Bestell-EDI in beide Richtungen. Die Produktdaten liefern Sie im Galaxus-Format, bevorzugt über einen FTP-Server, alternativ über einen verschlüsselten HTTPS-Link oder ein Feed-Management-Tool. Die Bestellprozesse laufen als XML-Nachrichten über SFTP, mit getrennten Ordnern für Test und Live.
| Datenfluss | Richtung | Inhalt |
|---|---|---|
| Produktdaten, Preise, Bestand | Sie → Galaxus | Feed mit Stammdaten, Bildern, Preisen und laufend aktuellen Verfügbarkeiten |
| Bestellung (ORDP) | Galaxus → Sie | Kundenbestellung mit Positionen und Lieferadresse |
| Auftragsbestätigung (ORDR) | Sie → Galaxus | Bestätigung der Bestellung und Lieferdatum |
| Versandmeldung (DELR) | Sie → Galaxus | Lieferschein und Tracking, bei Direktlieferung innert 24 Stunden nach Versand |
| Rechnung (INVO) | Sie → Galaxus | Rechnung bzw. Gutschrift zur Bestellung |
| Stornierung (EOLN) | Sie → Galaxus | Meldung, wenn ein Artikel nicht geliefert werden kann |
Die Kürzel stammen aus der Galaxus-Dokumentation; die genaue Spezifikation erhalten Sie im Onboarding. Wichtig ist das Prinzip: Jede Bestellung muss automatisch in Ihr System gelangen, und jede Versandmeldung muss automatisch zurück. Bei der Rechnung lohnt sich ein Blick auf die eigene Buchhaltungs-Strecke – Hintergründe zu Belegen und Zahlungsflüssen finden Sie in unseren Beiträgen zu QR-Rechnung und eBill sowie zu den Schweizer Zahlungsstandards.
Warum Sie den Galaxus Marketplace nicht von Hand bedienen sollten
Mit zehn Artikeln liesse sich vieles noch manuell erledigen. Sobald Sie parallel im eigenen Shop, im Laden und auf Galaxus verkaufen, wird Handarbeit zum Risiko:
| Thema | Manuell | Automatisiert |
|---|---|---|
| Bestand | Veraltete Zahlen, Überverkäufe und Stornos | Regelmässiger Abgleich, optional mit Bestandspuffer |
| Preise | Änderungen kommen verspätet oder gar nicht an | Preise folgen dem führenden System |
| Bestellungen | Abtippen ins Shop- oder ERP-System | Automatischer Import als Auftrag mit MWST |
| Versand | Tracking-Nummern einzeln nachtragen | Versandmeldung geht automatisch zurück |
| Rechnungen | Belege separat erstellen und senden | Rechnung entsteht aus dem Auftrag |
| Kennzahlen | Stornoquote steigt unbemerkt | Monitoring meldet Fehler, bevor sie Kunden treffen |
Welche Lösung passt, hängt vom führenden System ab. Für WooCommerce greift eine Middleware die Daten über die REST-API ab, wandelt sie ins Galaxus-Format und überträgt sie per SFTP – mehr dazu auf der Seite zur WooCommerce-Galaxus-Anbindung. plentyONE bringt Artikel, Bestände und Aufträge bereits zentral mit, die plentyONE-Galaxus-Anbindung dockt direkt daran an. Arbeiten Sie mit einem ERP, ist dieses meist der bessere Datenursprung – unser ERP-Vergleich für Schweizer KMU zeigt die gängigen Systeme.
Feed-Tools und allgemeine Automatisierungsplattformen können Teile davon abdecken. Für den eigentlichen Bestellkreislauf mit Fehlerbehandlung, Wiederholungsversuchen und Monitoring reicht ein einfacher Workflow aber selten – die Abwägung zwischen Baukasten und spezifischer Lösung beschreiben wir im Vergleich n8n vs. Make und im Leitfaden Geschäftsprozesse automatisieren.
Typische Stolpersteine beim Verkaufen auf Galaxus
- Fehlende oder falsche GTINs: Ohne gültige GTIN lässt sich ein Artikel keiner Galaxus-Produktseite zuordnen – bei Eigenmarken früh GS1-Nummern beschaffen.
- Bestand ohne Puffer: Wer denselben Lagerbestand auf mehreren Kanälen anbietet, braucht einen Puffer oder sehr kurze Abgleichintervalle, sonst häufen sich Stornos.
- Zu lange Lieferzeiten: Galaxus zeigt der Kundschaft die erwartete Lieferzeit an. Unrealistische Angaben schaden Conversion und Händlerbewertung.
- Margen nicht pro Kategorie gerechnet: Provision, Versand und Retouren können die Marge einzelner Warengruppen auffressen.
- Sortiment zu breit gestartet: Lieber mit den stärksten Artikeln beginnen, Prozesse stabilisieren und dann ausbauen.
- Keine Überwachung der Schnittstelle: Ändert sich ein Feld im Shop oder ein Update bricht den Export, merkt man es oft erst an verärgerten Kunden.
Galaxus und andere Online-Marktplätze in der Schweiz
Galaxus ist der grösste, aber nicht der einzige Online-Marktplatz der Schweiz. Die Modelle unterscheiden sich deutlich – verbindliche Konditionen erhalten Sie jeweils nur direkt beim Betreiber:
| Marktplatz | Modell | Geeignet für |
|---|---|---|
| Galaxus | Selektives Händlerprogramm seit 2016, Verkauf unter eigenem Namen, Provision pro Verkauf | Breite Sortimente von Technik bis Haushalt, Sport und Spielwaren |
| Manor Marketplace | Seit 2021, auf Basis der Plattform Mirakl, ausgewählte Marken; laut Integrationspartnern im E-Consignment-Modell | Marken aus Mode, Beauty, Wohnen und Lifestyle |
| Media Markt Schweiz | Seit Februar 2026 für ausgewählte Drittanbieter geöffnet, gemeinsamer Warenkorb, Partner liefern selbst | Elektronik, Büro, Haushalt und Software |
| Ricardo | Auktionen und Festpreise, gewerbliche Verkäufer zahlen eine Erfolgsprovision je nach Produkttyp | Restposten, Secondhand und Einzelstücke |
| Brack.ch | Grosser Schweizer Onlinehändler; Konditionen für Drittanbieter werden individuell geklärt | Technik-, Büro- und B2B-Sortimente |
Mehrere Marktplätze parallel zu bedienen, ist nur mit sauber zentralisierten Daten machbar: ein führendes System für Artikel, Bestand und Aufträge, aus dem alle Kanäle gespeist werden. Wer langfristig denkt, plant zudem für neue Kanäle – etwa KI-Assistenten, die stellvertretend einkaufen. Was das für Produktdaten bedeutet, zeigt unser Beitrag zu Agentic Commerce.
Fazit: Auf Galaxus verkaufen lohnt sich – mit sauberen Daten
Für Schweizer KMU mit eigenem Lager und klarem Sortiment ist der Galaxus Marketplace einer der wirksamsten Online-Kanäle: grosse Reichweite, keine Grundgebühr, Verkauf unter eigenem Namen. Der Preis dafür sind eine kategorieabhängige Provision, strenge Anforderungen an Lieferung und Datenqualität und ein selektives Aufnahmeverfahren.
Entscheidend ist die Vorbereitung: Margen pro Warengruppe rechnen, GTINs und Stammdaten bereinigen, Lieferzeiten realistisch festlegen – und den Datenaustausch von Anfang an automatisieren. Wer so startet, verkauft auf Galaxus nicht nebenbei, sondern als planbaren, skalierbaren Kanal.
Galaxus-Anbindung für Ihren Shop
Wir verbinden WooCommerce, plentyONE oder Ihr ERP per Feed und EDI mit Galaxus – Produktdaten, Bestände, Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen. Als SaaS ab CHF 200 pro Monat, inklusive Betrieb, Monitoring und Fehlerhandling.
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