Kurz zusammengefasst
Die beste TeamViewer-Alternative hängt vom Umfeld ab: Für Microsoft-365-KMU mit Intune ist Remote Help naheliegend (seit Sommer 2026 in Microsoft 365 E3/E5 enthalten, sonst als Add-on), wer Daten selbst hosten will, setzt auf RustDesk Server Pro ab rund 12 USD pro Monat, für gemischte Umgebungen eignen sich AnyDesk oder Splashtop. Wichtiger als das Produkt ist die Härtung: MFA, Rollen, Protokollierung und kein dauerhaft offener unbeaufsichtigter Zugriff – denn Fernwartungstools sind ein beliebtes Einfallstor für Ransomware und Support-Betrug.

Warum KMU eine TeamViewer-Alternative suchen
Fernwartung gehört in jedem KMU zum Alltag: Die IT hilft beim Drucker, der Softwarepartner spielt ein Update ein, der Maschinenlieferant schaut sich die Steuerung an. Lange war TeamViewer dafür der Standard. Wer 2026 nach einer TeamViewer-Alternative sucht, hat meist einen von drei Gründen.
Kosten und Lizenzmodell. TeamViewer und AnyDesk werden als Abonnement lizenziert, die Preise hängen an Nutzern, gleichzeitigen Sitzungen (Kanälen) und verwalteten Geräten. Die Gratisversion von TeamViewer ist nur für private Zwecke erlaubt; erkennt der Hersteller eine kommerzielle Nutzung, werden Sitzungen eingeschränkt. Für ein kleines Team mit zwei, drei Technikern summiert sich die TeamViewer-Lizenz schnell auf mehrere tausend Franken pro Jahr – oft für Funktionen, die nur teilweise genutzt werden.
Sicherheitsvorfälle bei Herstellern. Anfang Februar 2024 machte AnyDesk öffentlich, dass Angreifer in seine Produktionssysteme eingedrungen waren. Das Unternehmen widerrief seine Code-Signing-Zertifikate, setzte die Passwörter des Webportals zurück und gab an, keine Hinweise auf betroffene Endgeräte gefunden zu haben. Im Juni 2024 meldete TeamViewer einen Einbruch in seine interne Unternehmens-IT, den es der Gruppe APT29 (Midnight Blizzard) zuschrieb; laut TeamViewer blieben Produktumgebung und Kundendaten unberührt. Beide Hersteller haben offen kommuniziert – die Fälle zeigen aber, dass ein Fernwartungsanbieter ein attraktives Ziel ist und Teil Ihrer Lieferkette wird.
Wildwuchs. Im KMU-Alltag laufen oft drei, vier Tools parallel: TeamViewer vom alten IT-Partner, AnyDesk vom Branchensoftware-Anbieter, Quick Assist für den Notfall. Jedes davon ist ein zusätzlicher Zugang ins Netz, den niemand zentral überblickt – ein klassischer Fall von fehlendem Zero-Trust-Denken. Eine Konsolidierung auf ein bewusst gewähltes Fernwartungstool spart deshalb nicht nur Lizenzkosten, sondern schliesst auch Lücken.
Was eine Fernwartungssoftware im KMU können muss
Bevor Sie Produkte vergleichen, lohnt sich eine kurze Anforderungsliste. Diese Punkte entscheiden in der Praxis über Sicherheit und Alltagstauglichkeit:
- Begleiteter und unbeaufsichtigter Zugriff: Spontane Hilfe mit Zustimmung der Person am Gerät und – nur wo nötig – Zugriff auf Server ohne anwesende Person.
- Starke Anmeldung: Pflicht-MFA für alle Technikerkonten, idealerweise Single Sign-On über Entra ID, Google oder einen anderen Identity Provider.
- Rollen und Rechte: Wer darf welche Geräte sehen, wer nur zuschauen, wer mit Adminrechten arbeiten? Ohne Rollenmodell hat jeder Techniker Zugriff auf alles.
- Protokollierung und optional Sitzungsaufzeichnung: Wer hat wann auf welches Gerät zugegriffen – exportierbar ins Monitoring oder SIEM.
- Zugriffskontrolle: Erlaubte Gegenstellen (Allow-Lists), Bestätigungsdialog am Gerät, automatische Trennung bei Inaktivität.
- Datenstandort und Betriebsmodell: Hersteller-Cloud, eigener Server (Self-Hosting) oder On-Premises-Appliance.
- Plattformen: Windows, macOS, Linux, iOS und Android – inklusive Erhöhung der Rechte (UAC) auf Windows.
- Integration: Anbindung an Ticketsystem, MDM oder RMM, damit Sitzungen einem Ticket und einem Gerät zugeordnet sind.
TeamViewer-Alternativen im Vergleich
| Tool | Modell & Kosten | Betrieb | Sicherheit | Passt für |
|---|---|---|---|---|
| TeamViewer | Abo nach Nutzern und Kanälen, Einzelplatz ab rund 25 USD/Monat | Hersteller-Cloud | MFA, Richtlinien, Logging; SSO in höheren Plänen | Bestehende Installationen mit breitem Funktionsbedarf |
| AnyDesk | Abo (Solo bis Ultimate), Einstieg ab rund 30–40 USD/Monat | Cloud oder On-Premises-Appliance (Ultimate) | 2FA, Zugriffslisten, eigene Custom-Clients | Gemischte Umgebungen, schlanke Clients |
| RustDesk | Open Source (AGPL) gratis; Server Pro ab rund 12 USD/Monat | Self-Hosting, z.B. im Schweizer Rechenzentrum | Pro: 2FA, OIDC/SSO, LDAP, Audit-Log, Zugriffskontrolle | Datensouveränität, technisch versierte Teams und MSPs |
| Splashtop | Abo pro Nutzer oder pro gleichzeitigem Techniker | Cloud; On-Prem in Enterprise-Plänen | MFA, Logging, SSO in höheren Plänen | Preisbewusste Support-Teams |
| Microsoft Quick Assist | In Windows 10/11 kostenlos | Microsoft-Cloud | Nur begleitet, kaum zentrale Kontrolle | Gelegentliche Hilfe – nicht als Firmenstandard |
| Intune Remote Help | Lizenz für Helfer und Unterstützte; in M365 E3/E5 enthalten, sonst Add-on | Microsoft-Cloud, Entra-ID-Anmeldung | Rollen, Conditional Access/MFA, Audit-Log, UAC-Elevation | Microsoft-365-KMU mit Intune |
| ConnectWise ScreenConnect | Lizenz pro Techniker | Cloud oder On-Premises | Umfangreiche Rechte und Logs; On-Prem muss selbst gepatcht werden | IT-Dienstleister und grössere IT-Teams |
| RMM-integriert (z.B. NinjaOne) | Teil der RMM-Plattform, Preis auf Anfrage | Hersteller-Cloud | Sitzungsaufzeichnung, Zuordnung zu Gerät und Ticket | KMU mit Managed-IT-Vertrag |
Preise: Listenpreise der Hersteller in USD bei jährlicher Abrechnung, Stand Oktober 2026. Sie variieren je nach Region, Aktion und Nutzerzahl – bitte aktuelle Preise beim Anbieter prüfen.
RustDesk ist die meistgesuchte Open-Source-Alternative. Der Reiz: Sie betreiben den Verbindungsserver selbst, etwa auf einer VM in einem Schweizer Rechenzentrum, und kein Dritter vermittelt Ihre Sitzungen. Die kostenlose Community-Version reicht für Tests; für den Firmeneinsatz ist RustDesk Server Pro sinnvoll, weil erst dort Zwei-Faktor-Anmeldung, SSO, Audit-Log und eine Webkonsole mit Rechteverwaltung dazukommen. Der Preis dafür: Sie sind für Betrieb, Updates und Backups des Servers selbst verantwortlich.
AnyDesk und Splashtop sind die naheliegenden kommerziellen Alternativen mit ähnlichem Bedienkonzept wie TeamViewer. AnyDesk bietet im Ultimate-Plan zusätzlich eine On-Premises-Appliance, mit der Sitzungen über einen eigenen Server laufen. Splashtop trennt Fernzugriff auf eigene Geräte und Support-Lizenzen pro gleichzeitigem Techniker, was für kleine Support-Teams günstig sein kann.
Intune Remote Help ist die Antwort von Microsoft für Unternehmen. Helfer und unterstützte Person melden sich mit ihrem Firmenkonto an, Rechte steuern Sie über Rollen, MFA über Conditional Access, und jede Sitzung landet im Audit-Log. Seit Sommer 2026 ist Remote Help in Microsoft 365 E3 und E5 enthalten; in Business Premium braucht es weiterhin ein Add-on. Welche Lizenz welche Intune-Funktionen umfasst, zeigt unser Microsoft-365-Lizenzvergleich; die Grundlagen der Geräteverwaltung erklärt der Ratgeber zu Microsoft Intune für KMU.
Fernwartung als Einfallstor: Die Sicherheitsrisiken
Fernwartungssoftware ist ein Werkzeug mit Generalschlüssel – und genau deshalb bei Angreifern beliebt. Drei Muster sehen wir immer wieder:
Social Engineering per Telefon. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) warnt seit Jahren vor falschem technischem Support: Ein Pop-up meldet einen angeblichen Virenbefall und nennt eine Schweizer Telefonnummer, am Telefon lässt der «Support» dann AnyDesk, TeamViewer oder ein ähnliches Tool installieren. Im Firmenumfeld beobachtete Microsoft 2024 eine Ransomware-Gruppe, die Postfächer zuerst mit Spam flutete und dann als «interne IT» anrief, um über Quick Assist Zugriff zu erhalten. Gegen diese Masche helfen Schulung und klare Regeln, wie sie unser Ratgeber zu Phishing-Schutz und zu Deepfake- und CEO-Fraud beschreibt.
Schwachstellen in selbst betriebenen Servern. Im Februar 2024 wurde eine kritische Lücke in ConnectWise ScreenConnect (CVE-2024-1709) innert Tagen massenhaft ausgenutzt, unter anderem von Ransomware-Gruppen. Wer einen Fernwartungsserver selbst betreibt – ob ScreenConnect, RustDesk oder eine Appliance –, muss ihn so konsequent patchen wie die Firewall.
Gestohlene Zugangsdaten. Ein Technikerkonto ohne MFA mit dauerhaftem Zugriff auf alle Geräte ist für Angreifer das Ideal. Fernzugänge gehören deshalb in jede Ransomware-Schutzstrategie.
MFA für jedes Technikerkonto
Ohne zweiten Faktor genügt ein abgefangenes Passwort für den Vollzugriff. Phishing-resistente Methoden wie Passkeys oder FIDO2-Schlüssel sind die beste Wahl.
Unbeaufsichtigten Zugriff minimieren
Dauerhaft offene Zugänge nur für Server und Geräte, bei denen es wirklich nötig ist – mit eigenem Kennwort, Bestätigung oder zeitlicher Begrenzung. Auf Arbeitsplätzen genügt meist der begleitete Zugriff.
Rollen und minimale Rechte
Nicht jeder Techniker braucht Adminrechte auf jedem Gerät. Rollen trennen Lesezugriff, Support und Administration – wie beim Privileged Access Management.
Nicht genutzte Tools blockieren
Microsoft empfiehlt, Quick Assist und andere nicht verwendete Fernwartungstools zu sperren oder zu deinstallieren. Per Intune, AppLocker oder EDR lässt sich durchsetzen, dass nur das freigegebene Tool läuft.
Protokollieren und auswerten
Sitzungsprotokolle gehören ins zentrale Monitoring: Zugriffe zu ungewöhnlichen Zeiten oder auf ungewöhnliche Geräte sind ein Frühwarnsignal.
Rückruf-Regel für Support-Anfragen
Mitarbeitende geben nie Fernzugriff auf Zuruf. Die interne IT oder der IT-Partner meldet sich nur über bekannte Kanäle; im Zweifel wird über die bekannte Nummer zurückgerufen.
Die Details zu starker Anmeldung finden Sie im Ratgeber MFA & 2FA für KMU, zu Adminkonten im Beitrag über Privileged Access Management und zur Auswertung von Logs im Leitfaden IT-Monitoring für KMU. Für den Zugriff auf ganze Netze statt einzelner Bildschirme ist ein VPN oder ZTNA das passendere Werkzeug.
Fernwartung und revDSG: Was KMU regeln müssen
Während einer Fernwartung sieht der Techniker, was auf dem Bildschirm ist: E-Mails, Kundendaten, Lohnlisten. Datenschutzrechtlich ist das eine Bearbeitung von Personendaten – auch wenn es «nur» um den Drucker geht. Diese Punkte sollten geregelt sein:
- Auftragsbearbeitung: Mit dem IT-Dienstleister und, je nach Modell, mit dem Tool-Anbieter braucht es einen Vertrag, der Zweck, Sicherheit und Unterauftragnehmer regelt (Art. 9 DSG).
- Datenstandort: Laufen Sitzungen über Server im Ausland, ist das eine Bekanntgabe ins Ausland. Klären Sie, wo vermittelt und wo protokolliert wird – oder hosten Sie selbst.
- Zustimmung und Transparenz: Begleitete Sitzungen nur mit sichtbarer Bestätigung am Gerät; unbeaufsichtigte Zugriffe auf Arbeitsplätze transparent regeln.
- Aufzeichnungen zweckgebunden: Sitzungsaufzeichnungen dienen der Nachvollziehbarkeit, nicht der Überwachung von Mitarbeitenden – Verhaltensüberwachung am Arbeitsplatz ist nach Art. 26 ArGV 3 unzulässig.
- Aufbewahrung begrenzen: Logs und Aufzeichnungen nur so lange speichern, wie es für Sicherheit und Nachweis nötig ist.
Die vollständige Liste der Pflichten finden Sie in unserer revDSG-Checkliste für KMU.
Welche Fernwartung passt zu welchem KMU?
1–10 Mitarbeitende ohne eigene IT
Hier lohnt sich keine eigene Fernwartungsinfrastruktur. Am sinnvollsten ist es, wenn der IT-Partner sein Tool mitbringt, die Lizenz trägt und den Zugriff protokolliert. Eigene Lizenzen nur, wenn jemand intern regelmässig hilft.
10–50 Mitarbeitende mit Microsoft 365
Sind die Geräte in Intune, ist Remote Help die sauberste Lösung: Anmeldung über Entra ID, MFA, Rollen und Audit-Log ohne weiteres Benutzerkonto. Für Macs, Server oder Lieferanten-Zugriffe ergänzt ein zweites Tool wie Splashtop oder AnyDesk.
50+ Mitarbeitende oder mehrere Standorte
Ab dieser Grösse zählt die Integration: Sitzungen sollen Tickets und Geräten zugeordnet sein, Rechte über Rollen laufen und Logs zentral ausgewertet werden. RMM-integrierte Fernwartung oder eine Enterprise-Lösung mit SSO ist hier die Regel.
Hohe Anforderungen an Datensouveränität
Wer keine Sitzungen über Hersteller-Server vermitteln lassen will, etwa in Treuhand, Gesundheit oder Industrie, hostet selbst: RustDesk Server Pro oder eine On-Premises-Appliance. Voraussetzung ist, dass Betrieb und Patching professionell organisiert sind.
Fernwartung im Managed-IT-Vertrag
Für die meisten KMU ist die beste TeamViewer-Alternative gar keine eigene Lizenz, sondern ein Partner, der Fernwartung als Teil des Service liefert. Im Rahmen von Managed IT funktioniert das typischerweise so: Der Agent wird zentral auf allen Geräten ausgerollt, jede Sitzung startet aus einem Ticket, Mitarbeitende bestätigen begleitete Zugriffe am Bildschirm, und alle Zugriffe sind protokolliert. Lizenz, Updates und Härtung des Tools liegen beim Partner – und sind im monatlichen Pauschalpreis enthalten.
Wichtig ist dabei Transparenz: Fragen Sie Ihren IT-Dienstleister, welches Tool er einsetzt, wo die Daten laufen, ob MFA Pflicht ist und wie lange Protokolle aufbewahrt werden. Wie ein gutes Ticketsystem den Support organisiert, zeigt der Ratgeber zu Helpdesk & Ticketing; was ein Managed-IT-Vertrag sonst noch umfassen sollte, erklärt unser Managed-IT-Leitfaden. Für Unternehmen in der Region bieten wir zusätzlich Vor-Ort-Einsätze, etwa über unseren IT-Support im Aargau oder den IT-Support in Zürich.
In 5 Schritten zur neuen Fernwartung
Bestand erheben
Welche Fernwartungstools sind wo installiert, wer nutzt sie, welche Lizenzen laufen? Ein Software-Inventar über MDM oder RMM liefert die Liste in Minuten.
Verträge prüfen
Abonnements verlängern sich oft automatisch. Prüfen Sie Laufzeit und Kündigungsfrist der bestehenden Lizenz, bevor Sie umsteigen – sonst bezahlen Sie ein Jahr doppelt.
Tool wählen und härten
Anhand der Anforderungsliste ein Haupttool festlegen, MFA, Rollen, Allow-Lists und Logging konfigurieren, bevor das erste Gerät angebunden wird.
Pilot und Rollout
Mit einer kleinen Gruppe starten, dann den Client zentral per Intune oder RMM verteilen. Mitarbeitende kurz informieren, woran sie echte Support-Anfragen erkennen.
Altlasten entfernen
Alte Clients deinstallieren und per Richtlinie blockieren, damit keine Schattenzugänge bleiben. Lieferanten-Zugriffe neu und dokumentiert vergeben.
Fazit: Weniger Tools, mehr Kontrolle
Gute TeamViewer-Alternativen gibt es 2026 für jedes KMU: Remote Help für Microsoft-365-Umgebungen, RustDesk für Datensouveränität, AnyDesk und Splashtop als vielseitige kommerzielle Lösungen, RMM-integrierte Fernwartung für betreute Umgebungen. Das Produkt ist dabei die kleinere Entscheidung.
Entscheidend ist, dass Fernwartung als das behandelt wird, was sie ist: ein privilegierter Zugang ins Unternehmen. Ein einziges freigegebenes Tool, Pflicht-MFA, Rollen, Protokollierung, revDSG-konforme Verträge und eine klare Rückruf-Regel für Mitarbeitende – damit sparen Sie Lizenzkosten und schliessen eines der häufigsten Einfallstore.
Fernwartung sicher aufstellen
Wir erheben Ihre bestehenden Fernzugänge, wählen das passende Tool, härten es mit MFA, Rollen und Logging und übernehmen den Support auf Wunsch gleich mit – remote und vor Ort.
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