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Digitalisierung

Zeiterfassung KMU Schweiz 2026: Pflicht, Tools & Vergleich

Arbeitsgesetz Art. 46, SECO-Audits, neue Spesen-Regeln – wer 2026 die Arbeitszeit nicht sauber dokumentiert, riskiert Bussen und Lohnnachzahlungen. Welche Software für Schweizer KMU wirklich passt, was sie kostet und wie Sie in 4 Wochen sauber einführen.

Autor: Gian Marco Ma Mai 2026 10 Min. Lesezeit

Kurz vorweg: Die Schweizer Zeiterfassungspflicht gilt seit 2016 – wird aber 2026 spürbar strenger kontrolliert. Das SECO und die kantonalen Arbeitsinspektorate prüfen vermehrt, ob Pausen, Überstunden und Sonntagsarbeit sauber dokumentiert sind. Eine moderne Software erfüllt diese Pflicht in wenigen Minuten pro Tag – und liefert nebenbei die Datenbasis für Lohn, Projektrechnung und Kapazitätsplanung.

Was das Arbeitsgesetz 2026 wirklich verlangt

Das ArG (Art. 46) und die ArGV 1 (Art. 73) verpflichten Arbeitgeber, für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer mindestens fünf Datenpunkte zu dokumentieren – inklusive Aufbewahrungsfrist von fünf Jahren.

1

Vollständige Erfassung (Standardfall)

Tagesbeginn, Tagesende, Pausenzeiten, Sonn- und Feiertagsarbeit, Nachtarbeit. Gilt für die meisten Mitarbeitenden – auch im Homeoffice und im Aussendienst.

Konkret: Stempelung pro Arbeitsblock plus mind. 30 Min. Pause ab 7 Stunden, dokumentiert.
2

Vereinfachte Erfassung

Nur tägliche Gesamtarbeitszeit – möglich für Mitarbeitende mit erheblicher Zeitautonomie ab CHF 120’000 Bruttojahreslohn (inkl. Boni). Voraussetzung: Einzelvereinbarung oder GAV-Regelung plus 50% kontrollierte Quote.

Konkret: Geht nicht für Mitarbeitende, die in fixe Schichten oder Termine eingebunden sind.
3

Verzicht auf Erfassung

Nur in engen Ausnahmen mit GAV (z.B. einzelne Ärzte, Anwälte, Top-Management). Voraussetzung: Bruttojahreslohn ≥ CHF 120’000, sehr grosse Autonomie und schriftliche Vereinbarung.

Konkret: Für die meisten KMU nicht relevant – Standardfall ist die vollständige Erfassung.
4

Manipulationssicherheit

Aufzeichnungen müssen nachträglich nachvollziehbar bleiben – wer wann was geändert hat. Daher die starke Kritik an „lebenden“ Excel-Listen ohne Audit-Trail.

Konkret: Software mit Versionierung, Genehmigungs-Workflow und Export-Funktion ist Pflicht-Charakter.
5

Aufbewahrungsfrist 5 Jahre

Erfassungen müssen mindestens 5 Jahre vorgehalten werden – analog zur GeBüV-Frist für Geschäftsbücher. Bei laufenden Streitfällen länger.

Konkret: Cloud-Tools übernehmen das automatisch – wichtig: Schweizer/EU-Hosting prüfen.

Tools im Vergleich: Was passt zu welchem KMU?

ToolPreis/User/MonatStärkeHosting
TimeTacab CHF 6.–Schichtplanung, Aussendienst, GPS-StempelungAT (EU)
Mocoappab CHF 6.40Projekt-Zeit + Faktura, beliebt bei AgenturenDE (EU)
Clockodoab CHF 4.–Sehr schlank, ideal für 5–30 MitarbeitendeDE (EU)
Bexio (Modul)ab CHF 49 / MonatVollintegriert in Buchhaltung & LohnCH
Personioab CHF 11.– (HR-Paket)HR-Suite mit Zeit, Lohn, OnboardingDE (EU)
rexx HRab CHF 9.– (Modul)Skalierbar bis 1’000+ MitarbeitendeDE/CH
Tipsoi (Schweiz)ab CHF 5.50Schweizer Anbieter, GAV-konformCH
absenteoab CHF 4.–Nur Abwesenheiten, ergänzt ExcelCH

Mocoapp und Clockodo sind die pragmatische Erste-Wahl für Beratungen, Agenturen und Handwerk. TimeTac glänzt im Aussendienst (GPS, Geofencing). Bexio-Nutzer bleiben am sinnvollsten im Bexio-Modul – die Lohn-Integration spart Stunden. Personio lohnt sich, wenn HR-Prozesse (Onboarding, Recruiting, Lohn) zentralisiert werden sollen.

Welches Tool für welches KMU-Profil?

Beratung / Agentur (5–25 MA)

Mocoapp oder Clockodo

Projektzeit-Erfassung, Faktura-Export, einfache Bedienung, schneller Onboarding der Mitarbeitenden.

Handwerk / Bau (10–50 MA)

TimeTac oder Tipsoi

Mobile Stempelung mit GPS, Schichtplanung, GAV-konforme Auswertungen für Bau-/Maler-/Schreinerbetriebe.

Bexio-Nutzer (alle Branchen)

Bexio Zeiterfassung

Direkte Übernahme in Lohn und Projektrechnung – keine Schnittstellen, keine doppelte Pflege.

Wachsendes KMU mit HR (30–150 MA)

Personio

Zeit + Abwesenheit + Lohn + Onboarding in einer Suite – senkt HR-Aufwand pro Mitarbeitenden um 30–50%.

Gastro / Detailhandel

TimeTac, gastromatic oder shyftplan

Schichtplanung, Trinkgeldverwaltung, Mehrstandort-Auswertung und Mitarbeiter-App.

Industrie / Produktion

rexx HR, AVero oder ATOSS

BDE-Anbindung, Schichtmodelle, ZKO-Konformität, Anbindung an ERP (Dynamics, SAP, Abacus).

Einführung in 4 Wochen – Schritt für Schritt

  • Woche 1: Pflichten klären (vollständig vs. vereinfacht), Stammdaten erfassen (Soll-Stunden, Pensum, Ferien-Anspruch), 2 Tools im 14-Tage-Trial.
  • Woche 2: Pilot mit Geschäftsleitung und 3–5 Mitarbeitenden, Pausen-Logik testen, Stempel-Methoden klären (Web, App, Terminal, RFID).
  • Woche 3: Rollout an alle Mitarbeitenden, Kurzschulung (max. 30 Min.), klare Spielregeln (wann erfassen, wer korrigiert, was bei vergessenem Stempeln).
  • Woche 4: Erste Monatsauswertung prüfen, Vorgesetzten-Genehmigung etablieren, Schnittstellen (Bexio, Abacus, SwissSalary) konfigurieren.
  • Ab Monat 2: Saubere Lohn-Übergabe, Überstunden-Reporting, Krankheit/Ferien zentral – das spart durchschnittlich 4–8 Stunden Lohnverarbeitung pro Monat.

Typische Stolpersteine

  • GPS-Stempelung ohne saubere Information der Mitarbeitenden – revDSG-Verstoss. Lösung: schriftliche Information, Zweck-Dokumentation, Opt-in für Privatnutzung.
  • Pausen werden nicht erzwungen – das SECO bemängelt das regelmässig. Tool-Setting „automatischer Pausen-Abzug ab 7h“ aktivieren.
  • Vereinfachte Erfassung ohne schriftliche Vereinbarung – Erfassung wird im Audit als ungültig deklariert. Vorlage vom Verband nutzen.
  • Dauer-Editieren der Vergangenheit – ohne Audit-Trail werden Korrekturen wertlos. Genehmigungs-Workflow durch Vorgesetzte aktivieren.
  • Cloud-Hosting in den USA bei revDSG-relevanten Personendaten – auf EU/Schweiz-Hosting bestehen oder DPA mit SCC abschliessen.

Fazit: Pflicht erfüllen, Aufwand senken

Zeiterfassung ist 2026 keine Kür mehr, sondern stille Audit-Pflicht. Das gute daran: Eine moderne Lösung schützt nicht nur vor Bussen, sondern liefert die Datenbasis für saubere Projektrechnung, faire Überstunden-Auszahlung und realistische Kapazitätsplanung. Das spart bei vielen KMU mehr Zeit, als die Erfassung kostet.

Wer Bexio nutzt, ergänzt einfach das Modul. Wer projekt-zentriert arbeitet, fährt mit Mocoapp am besten. Im Aussendienst gewinnt TimeTac, im HR-Anspruch Personio. Wichtig: Hosting prüfen, Pausen-Logik aktivieren, Genehmigungs-Workflow definieren – dann steht das Setup audit-fest.

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