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IT-Infrastruktur

Windows 10 Support-Ende: Was Schweizer KMU jetzt tun müssen

Seit dem 14. Oktober 2025 gibt es keine Sicherheitsupdates mehr für Windows 10. Wer noch nicht migriert ist, betreibt ein wachsendes Risiko – fachlich, rechtlich und versicherungstechnisch. So gehen Sie strukturiert vor.

Autor: GIAR Digital April 2026 8 Min. Lesezeit

Kurz vorweg: In Schweizer KMU laufen laut Marktdaten von StatCounter Ende 2025 noch rund 35% aller Windows-Geräte mit Windows 10. Wer betroffen ist, sollte spätestens jetzt einen klaren Migrationsplan haben – sonst wird der Druck mit jedem ungepatchten Monat grösser.

Was «End of Support» konkret bedeutet

Microsoft liefert seit dem 14. Oktober 2025 für Windows 10 keine Sicherheitsupdates, keine Bugfixes und keinen technischen Support mehr aus. Das System startet weiter, läuft technisch normal – ist aber gegen neu entdeckte Sicherheitslücken ungeschützt.

  • Keine Patches mehr für neu entdeckte Schwachstellen – Angreifer kennen ungepatchte Systeme erfahrungsgemäss schnell.
  • Microsoft 365 Apps (Outlook, Excel, Teams) erhalten auf Windows 10 nur noch eingeschränkten Support – mit jedem Monat steigt das Inkompatibilitäts-Risiko.
  • Cyberversicherungen schliessen Schäden auf nicht mehr unterstützten Betriebssystemen häufig aus oder reduzieren die Deckung.
  • Aus revDSG-Sicht sind «angemessene technische Schutzmassnahmen» mit ungepatchten Systemen kaum noch nachweisbar.

Drei Optionen für Schweizer KMU

1

Migration auf Windows 11 (empfohlen)

Der saubere Weg: Geräte prüfen, kompatible upgraden, ältere ersetzen. Windows 11 ist in den meisten Microsoft-365-Business-Plänen lizenziert – Zusatzkosten entstehen vor allem durch Hardware-Ersatz und Rollout-Aufwand.

Aufwand: 2–4 Tage bei 10–20 Geräten. Hardware-Ersatz wo nötig: CHF 800–1’500 pro Arbeitsplatz.
2

ESU-Programm als Übergangslösung

Microsoft bietet bezahlte Extended Security Updates für maximal drei Jahre nach dem Support-Ende. Der Preis verdoppelt sich pro Jahr (Y1, Y2, Y3) und ist nur als Brücke gedacht – nicht als Strategie.

Pro Gerät: ab USD 61 im ersten Jahr, USD 122 im zweiten, USD 244 im dritten. Für 15 Geräte über drei Jahre rasch über CHF 5’500.
3

Wechsel auf Cloud-PC / Windows 365

Statt jedes Gerät zu erneuern, läuft Windows 11 als virtueller Desktop in Microsofts Cloud. Lokale Geräte werden zu schlanken Endpoints. Sinnvoll bei verteilten Teams, BYOD oder älterer Hardware ohne TPM 2.0.

Ab ca. CHF 35 pro Nutzer/Monat (Windows 365 Business). Kein Hardware-Ersatz nötig.

Migrationsplan in 6 Schritten

  1. Inventar aller Geräte: Modell, Alter, TPM-Version, Office-Version, geschäftskritische Software.
  2. Kompatibilitäts-Check (Microsoft PC Health Check oder Intune-Report) – welche Geräte können auf Windows 11?
  3. Software-Audit: Welche Branchen-Apps (Bexio-Anbindung, ERP-Clients, CAD, Kassen-Software) sind Windows-11-zertifiziert?
  4. Pilotgruppe (3–5 Mitarbeitende) als erste Welle – inklusive Backup vor Migration.
  5. Stufenweiser Rollout über 4–8 Wochen: Abteilung für Abteilung, mit klaren Rückfallpunkten.
  6. Abschluss: Alte Geräte sicher entsorgen (Datenträger zertifiziert löschen oder schreddern – wichtig für revDSG).

Realistische Kostenrechnung

Beispiel-KMU mit 15 Mitarbeitenden, davon 9 Geräte Windows-11-tauglich, 6 müssen ersetzt werden:

Lizenzen Windows 11 Pro (in M365 Business Premium enthalten) CHF 0
Hardware-Ersatz 6 Geräte à CHF 1’100 CHF 6’600
Rollout-Aufwand (Image, Setup, Datenmigration) CHF 3’200
Zentrale Verwaltung (Intune-Setup, einmalig) CHF 1’500
Pilot, Tests, Mitarbeiter-Onboarding CHF 1’200
Gesamt einmalig ca. CHF 12’500

Kein einmaliger Schock, sondern eine Investition für 4–6 Jahre Nutzungsdauer. Verglichen mit ESU über drei Jahre rentiert sich die saubere Migration meist innerhalb des ersten Jahres.

Schweizer KMU – das müssen Sie zusätzlich beachten

  • revDSG verlangt «angemessene technische Massnahmen» – ungepatchte Endgeräte sind im Schadensfall schwer verteidigbar.
  • Cyberversicherer wie Generali, AXA oder Helvetia setzen mittlerweile aktuelle Betriebssysteme als Voraussetzung – bitte Police prüfen.
  • Branchen-Software (Bexio, Abacus, ProConcept, Sage) ist für Windows 11 freigegeben – aber teilweise mit Mindestversionen. Vor der Migration prüfen.
  • Alte Geräte enthalten häufig Geschäftsdaten – Entsorgung über zertifizierte Anbieter (z. B. SWICO Recycling) inklusive Datenlösch-Zertifikat.

Fazit: Jetzt strukturiert handeln

Das Support-Ende von Windows 10 ist keine Überraschung mehr – aber viele Schweizer KMU haben den Wechsel vor sich hergeschoben. Je länger gewartet wird, desto teurer wird es: ESU-Lizenzen, Versicherungslücken und ein Stau bei der Hardware-Beschaffung machen den Druck spürbar.

Wer jetzt sauber plant, erledigt Migration, Hardware-Refresh und zentrales Endpoint-Management in einem Aufwasch – und ist für die nächsten Jahre wieder auf einem stabilen Fundament unterwegs.

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