Zurück zum Blog
Digitalisierung

E-ID Schweiz 2026: Was KMU jetzt vorbereiten müssen

Im Herbst 2026 startet die staatliche E-ID. Sie ersetzt nicht SwissID, sondern liefert erstmals einen hoheitlichen, digitalen Ausweis. Was das für Onboarding, Verträge und Kundenidentifikation in Schweizer KMU bedeutet – und welche Vorbereitungen sich jetzt lohnen.

Autor: Gian Marco Ma Mai 2026 9 Min. Lesezeit

Kurz vorweg: Das Schweizer Stimmvolk hat im März 2024 das BGEID angenommen. Die staatliche E-ID kommt voraussichtlich im Herbst 2026 – als freiwilliges, kostenloses und vom Bund herausgegebenes digitales Pendant zum Pass. Sie basiert auf der offenen Trust-Infrastruktur „swiyu“ (Self-Sovereign Identity, W3C Verifiable Credentials). Wer Onboarding, Verträge oder Kunden-Identifikation digital betreibt, sollte jetzt mit der Integration starten.

Was die E-ID konkret ist – und was sie nicht ist

Die E-ID ist ein hoheitlicher, kryptographisch geprüfter Identitätsnachweis. Im Unterschied zu früheren Lösungen liegen die Daten nicht zentral beim Staat, sondern auf dem Smartphone der Bürgerin oder des Bürgers (swiyu-Wallet). Geteilt wird gezielt – pro Anwendung nur das Nötige (z.B. „über 18“, „wohnhaft in CH“).

1

Hoheitlich, freiwillig, kostenlos

Der Bund (fedpol) gibt die E-ID heraus. Die Beantragung ist freiwillig und kostenlos – Voraussetzung ist ein gültiger Schweizer Pass oder eine Identitätskarte.

Konkret: Vergleichbar mit dem Pass – aber digital, mit selektiver Offenlegung pro Use Case.
2

Wallet-basiert (swiyu)

Die E-ID liegt in einer Wallet-App auf dem Smartphone. Daten verlassen das Gerät nur, wenn die Nutzerin aktiv zustimmt. Die Trust-Infrastruktur ist Open Source.

Konkret: Kein zentrales Identitäten-Register. Daten-Minimierung by Design.
3

Selective Disclosure

Sie als Verifier fragen nur an, was Sie für den Use Case brauchen. Beispiel: Für Alterskontrolle reicht „über 18: ja/nein“ – Geburtsdatum bleibt geheim.

Konkret: Senkt revDSG-Risiko deutlich – kein „alles oder nichts“-Datenabgleich mehr.
4

Zusätzliche Credentials möglich

Die swiyu-Infrastruktur ist nicht auf den staatlichen Ausweis beschränkt. Hochschulen, Kammern oder Arbeitgeber können eigene Verifiable Credentials ausstellen (z.B. Diplome, Berufslizenzen).

Konkret: KMU können später eigene Mitarbeiter-Ausweise als VC ausgeben – z.B. für Lieferantenportale.
5

Keine SwissID-Ablösung

SwissID bleibt für Daily Logins (Online-Banking, Versicherung, AHV-Konto). Die E-ID ergänzt für Use Cases mit gesetzlichem Identitätsnachweis.

Konkret: Sie brauchen beides – SwissID für Login-Alltag, E-ID für rechtsverbindliche Identifikation.

Top Use Cases für Schweizer KMU

Kunden-Onboarding (KYC)

Direkt-Identifikation in 30 Sekunden

Ersetzt Video-Ident und Postident. Banken, Vermögensverwalter, Versicherungen und Telkos sparen pro Onboarding CHF 8–25 und 3–7 Werktage.

Verträge mit QES/FES

Verbindung mit Skribble / DocuSign

Die E-ID liefert eine vollwertige Identifikation für die qualifizierte elektronische Signatur (QES) – rechtsgleich mit handschriftlicher Unterschrift.

Aufträge mit Schriftform

Mietverträge, Vollmachten, Garantien

Wo Schriftform vorgeschrieben ist (Art. 14 OR), brauchts QES + Identifikation. Die E-ID + Skribble löst das in einem Schritt.

Alterskontrolle (Detailhandel, Gastro)

Tabak, Alkohol, Online-Shop

Über die selektive Offenlegung „über 18: ja/nein“ – ohne dass Geburtsdatum oder ID-Nummer abfliesst.

Behörden-Portale

Bauamt, Steuern, Handelsregister

Bund, Kantone und Gemeinden integrieren die E-ID in eGov-Portale. Wer dorthin eingebunden ist (Notare, Treuhänder), muss mitziehen.

B2B-Onboarding

UBO-Erfassung, Vertretungsmacht

Geldwäschereigesetz verlangt Identifikation der wirtschaftlich Berechtigten. Die E-ID + VC „Geschäftsführer“ macht das remote machbar.

E-ID vs. SwissID vs. AGOV vs. Video-Ident

LösungHerausgeberSicherheits-LevelTypischer Einsatz
E-ID (BGEID)Bund / fedpolHigh (LoA 3+)Hoheitliche Identifikation, QES, Verträge
SwissIDSwissSign AG (privat)SubstantialLogin Online-Banking, Versicherungen, AHV-Konto
AGOVBundSubstantialLogin bei Bundesportalen
Video-IdentAnbieter wie Intrum, IDnow, OnfidoHigh (mit Operator)Banking-Onboarding, Telekom-Vertrag
PostidentSchweizer PostHighKlassisches KYC mit Filialgang

Die E-ID ist nicht „besser“ als SwissID, sondern ergänzt sie für Use Cases mit Identifikations-Pflicht. Wer heute schon SwissID akzeptiert, behält das. Wer Video-Ident oder Postident im Onboarding hat, kann mit der E-ID Kosten und Conversion-Verluste massiv senken.

Vorbereitungs-Roadmap für Ihr KMU

  • Q2 2026: Use Cases identifizieren – Onboarding, Vertrag, Alterskontrolle, B2B-KYC. Pro Use Case: heutige Kosten/Conversion-Verluste, Sparpotenzial mit E-ID.
  • Q2 2026: Integrations-Partner wählen – Procivis One, Adnovum Nevis, IDnow, Identityhub oder direkte SDK-Integration mit swiyu.
  • Q3 2026: DSFA gemäss revDSG durchführen – welche Daten werden angefragt, welche minimal nötig (selective disclosure), Aufbewahrung, Löschkonzept.
  • Sept/Okt 2026: Erste Pilot-Integration mit der live geschalteten E-ID. Beginn typischerweise im Onboarding-Flow als zusätzliche Option neben SwissID/Video-Ident.
  • Q4 2026 / Q1 2027: Roll-out, Conversion messen, Postident und Video-Ident schrittweise ablösen. Zusatznutzen: später eigene VCs ausgeben (Mitarbeiter, Kunden, Partner).

Typische Stolpersteine

  • „Wir warten, bis alle eine E-ID haben“ – falsch. Adoption beginnt langsam (geschätzt 5–15% Q4 2026). Wer früh integriert, bedient die digital affinen Kunden zuerst und sammelt Praxis-Erfahrung.
  • Zu viele Daten anfragen – revDSG-Konflikt. Beim selective disclosure nur die nötigen Felder anfragen. Nicht „ganzes Profil“, sondern „Vorname, Nachname, AHV-13: optional“.
  • Kein Fallback geplant – wer keine E-ID hat, muss ins alte Verfahren zurückfallen können. Postident, Video-Ident und SwissID parallel weiterführen, mindestens 2027.
  • DSFA vergessen – die E-ID-Verarbeitung ist meldepflichtig (Art. 22 revDSG). Vor Go-Live durchführen, sonst drohen Bussen bis CHF 250’000.
  • Eigene VCs zu früh ausgeben – Standards sind noch in Bewegung. Erst eigene Credentials emittieren, wenn 1–2 produktive Use Cases in der swiyu-Infrastruktur stabil laufen.

Fazit: Frühzeitig vorbereiten, später skalieren

Die E-ID Schweiz wird der Onboarding-Standard der nächsten 5 Jahre. Wer heute Video-Ident oder Postident betreibt, senkt mit ihr Kosten um 60–80% und beschleunigt Conversion deutlich. Wichtig: Die E-ID ersetzt nicht SwissID oder bestehende Logins – sie ergänzt für rechtsverbindliche Identifikation.

Starten Sie mit einem klar abgegrenzten Use Case (Onboarding, Vertrag, Alters-Check), führen Sie die DSFA durch und integrieren Sie über einen Verifier-SDK. Die swiyu-Infrastruktur ist offen und kostenfrei – die einzigen Kosten sind Integration und DSFA. ROI-Berechnung lohnt sich ab 200 Onboardings pro Jahr fast immer.

E-ID strategisch einführen

Wir analysieren Ihre Onboarding- und Vertragsprozesse, identifizieren E-ID-Hebel, führen die DSFA durch und integrieren über swiyu in Ihr System.

Beratung anfragen

GIAR Digital GmbH

Passende Leistungen für Ihr KMU

Dieser Beitrag stammt von GIAR Digital, Ihrem IT-Partner für Schweizer KMU aus dem Kanton Aargau. Was wir hier beschreiben, setzen wir auch konkret um – diese Themen betreuen wir für kleine und mittlere Unternehmen:

Kostenlose Erstberatung anfragen