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IT-Infrastruktur

Cloud Storage Schweiz 2026: pCloud, kDrive, OneDrive & Co.

Datenstandort Schweiz, Zero-Knowledge oder volle Office-Integration? Wer 2026 Cloud-Speicher für ein Schweizer KMU auswählt, navigiert zwischen revDSG, Cloud Act, Preis und User-Experience. Der herstellerneutrale Vergleich – mit klarer Empfehlung pro Szenario.

Autor: Gian Marco Ma Mai 2026 11 Min. Lesezeit

Kurz vorweg: Es gibt nicht den einen besten Cloud-Speicher. Für M365-Häuser ist OneDrive richtig (sofern korrekt konfiguriert). Für volumenstarke Datei-Archive ist Infomaniak kDrive der Preis-Champion. Für Anwälte, Treuhänder und Praxen mit hochsensiblen Daten gewinnt Tresorit oder Proton Drive (Zero-Knowledge). Wer alle Daten zwingend in der Schweiz braucht, fährt mit kDrive oder pCloud Swiss am direktesten.

Die 5 Entscheidungsfragen vor jeder Cloud-Wahl

1

Wie sensibel sind die Daten?

Health-, HR-, Finanz- oder Anwaltsdaten brauchen Zero-Knowledge oder Datenstandort Schweiz. Reine Marketing-Files sind unkritisch.

Konkret: Praxis mit Patientendaten → Tresorit, Proton oder kDrive. Marketing-Agentur → OneDrive oder Google Drive reicht.
2

M365 oder Workspace bereits im Einsatz?

Wer schon M365 nutzt, hat OneDrive (1 TB/User) inklusive. Ein zweites Tool ist redundant – ausser für spezielle Use Cases.

Konkret: 30 User × OneDrive 1 TB = 30 TB inklusive. Zusätzlich kDrive Business kostet CHF 2’100/Jahr extra – oft unnötig.
3

Wie gross ist das Datenvolumen?

Reine Office-Daten: 50–200 GB pro User. CAD/Video/Foto: 1–10 TB pro User. Volumenstarke Profile sind in OneDrive teuer.

Konkret: 50 User mit je 2 TB = 100 TB. OneDrive Plan 2 = CHF 6’840/Jahr. kDrive Solo Pro für unbegrenzt = CHF 1’400/Jahr.
4

Compliance: revDSG, Berufsgeheimnis, Cloud Act?

Anwälte, Ärzte, Banken haben verschärfte Pflichten. Cloud Act erlaubt US-Behörden Zugriff auf Daten von US-Anbietern – auch im EU-Rechenzentrum.

Konkret: Anwaltsbüro mit Mandantendaten in OneDrive ohne Client-side-Encryption = potentieller Verstoss gegen Berufsgeheimnis.
5

Welche Apps müssen integrieren?

Bexio, Abacus, Adobe, CAD-Tools, ERPs haben unterschiedliche Cloud-Connectoren. OneDrive und Google Drive sind am breitesten unterstützt.

Konkret: Architekturbüro mit Revit & AutoCAD → OneDrive oder NAS, weil CAD-Cloud-Sync mit kDrive/pCloud nicht erprobt ist.

Anbieter im direkten Vergleich

AnbieterStandortPreis (Business)StärkeSchwäche
Infomaniak kDriveCH (Genf, Wallis)CHF 5.83/User/Mt unlim.100% Schweiz, sehr günstig, gute mobile Apps, Office-Online-ViewOffice-Integration nur Web (kein nativer Word/Excel-Co-Author)
pCloud BusinessCH (Sitz), CH/EU/US wählbarCHF 9.99/User/Mt 1 TBLifetime-Pläne (selten geworden), Crypto-Folder, breite Geräte-UnterstützungSync-Engine nicht ganz auf OneDrive-Niveau, Business-Tier eher klein
Tresorit BusinessCH/EU (Wallis & DE)CHF 14.50/User/Mt 1 TBZero-Knowledge ohne Zusatztools, FINMA/HIPAA-tauglich, beste Compliance-StoryTeuer, weniger App-Integrationen, etwas kantige UX
Proton Drive BusinessCH (Genf)CHF 7.99/User/Mt 1 TBZero-Knowledge, Sitz Schweiz, integriert mit Proton Mail/CalendarJunges Produkt, Sync-Tooling noch reift, kein Office-Co-Authoring
Microsoft OneDriveEU/CH (auf Anfrage)CHF 5.40/User/Mt 1 TBBeste Office-Integration, Versionierung 365 Tage, breite App-WeltCloud Act, nur Microsoft-Ökosystem, Quoten ab Plan 2 enforced
Google Drive (Workspace)EU/USACHF 11.50/User/Mt 2 TBEchtzeit-Co-Editing seit Tag 1, beste Suche, KI-Features (Gemini)Cloud Act, Datenstandort weniger granular wählbar als M365
Dropbox BusinessEU/USACHF 14/User/Mt 5 TBBeste Sync-Engine technisch, gute mobile Apps, Smart SyncZero-Knowledge nur via Add-on, teuer, US-Anbieter

Preise Stand Mai 2026, exkl. MwSt., Listenpreise – Verhandlungsspielraum bei mehr als 25 Usern oder Mehrjahresverträgen meist 10–20%. Microsoft und Google verlangen für Datenresidenz Schweiz teils Add-on-Lizenzen oder Mindestmengen.

Empfehlung pro Szenario

Klassisches KMU mit M365

OneDrive (im M365-Plan)

1 TB pro User ist meist genug, Word/Excel/Teams nahtlos integriert. Datenresidenz Schweiz im Tenant-Setup wählen, AVV unterzeichnen, MFA pflicht.

Treuhand, Anwalt, Arzt, Coach

Tresorit oder Proton Drive Business

Zero-Knowledge schützt vor Cloud Act und blossen Mitarbeiter-Zugriffen beim Anbieter. Berufsgeheimnis ist mit Standardpaketen aus dem M365-Setup nicht zuverlässig erfüllbar.

Marketing- oder Designagentur

Google Workspace (Drive) oder Dropbox

Echtzeit-Kollaboration auf Designdaten, hohe Sync-Performance, Externe-Freigaben einfach. Adobe-CC-Integration wichtig.

Architektur- oder Engineering-Büro

OneDrive (für Office) + NAS (für CAD)

CAD-/Revit-Daten gehören aufgrund Volumen und Performance auf das NAS. OneDrive für Pläne, PDFs und Korrespondenz.

Volumen-Archiv (Foto, Video, Backup)

kDrive Business unbegrenzt

Bei 5+ TB pro User ist kDrive deutlich günstiger als OneDrive. CH-Standort, S3-API, gut für Backup-Senken.

Hochregulierte Branche (Bank, Versicherung)

Tresorit + Sovereign Cloud (Swisscom, Exoscale)

FINMA-Vorgaben verlangen Datenstandort, Audit-Logs, dedizierte Tenants. Klassische Public Cloud reicht oft nicht.

Cloud Act, revDSG und das Schweizer Berufsgeheimnis

Der US Cloud Act (2018) verpflichtet US-Cloud-Anbieter zur Herausgabe von Daten an US-Behörden – unabhängig vom Speicherort. Das gilt für Microsoft, Google, Amazon, Dropbox. Für Schweizer KMU mit Standardprozessen reicht ein gut konfiguriertes M365 trotzdem in den meisten Fällen aus, wenn:

  • Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit Microsoft / Google unterzeichnet ist.
  • Datenresidenz EU/CH im Tenant gewählt wurde.
  • Verschlüsselung in Transit und at Rest aktiviert ist.
  • Multi-Faktor-Authentisierung für alle User pflicht ist.
  • Verarbeitungsverzeichnis (revDSG Art. 12) gepflegt wird.
  • Hochsensible Daten zusätzlich clientseitig verschlüsselt sind (Cryptomator, Boxcryptor-Nachfolger).

Für Berufsgeheimnisträger (Anwälte, Ärzte, Banken, Versicherungen) reicht das nicht. Hier ist Zero-Knowledge-Architektur Standard – also Anbieter, bei denen selbst der Provider den Inhalt nicht entschlüsseln kann (Tresorit, Proton, oder Microsoft + Cryptomator).

Migration in 4 Wochen

  • Woche 1: Inventur (welche Daten, welche Volumen, wer hat Zugriff, welche Apps brauchen Sync), Anbieter wählen, Pilotgruppe definieren (3–5 User).
  • Woche 2: Tenant aufsetzen, Verzeichnisstruktur designen (max. 3 Ebenen tief), Berechtigungen rollenbasiert definieren, Pilotgruppe migrieren (Mover.io, MultCloud, GoodSync für KB-/GB-Bereich; rclone für Profis).
  • Woche 3: Pilot-Feedback einarbeiten, Schulungs-Material erstellen (5-Min.-Video reicht meistens), Mitarbeiterkommunikation, Cutover-Datum für ganze Firma kommunizieren.
  • Woche 4: Vollmigration in Wellen (Abteilung pro Tag), 30-Tage-Parallel-Betrieb der Quell-Cloud (Read-Only), nach 30 Tagen: alte Cloud kündigen, Archiv ziehen.

Typische Stolpersteine

  • Niemand prüft die AVV: Anbieterwechsel ohne unterzeichneten Auftragsverarbeitungsvertrag ist revDSG-Verstoss.
  • Pfade zu lang: Windows-Pfade über 260 Zeichen reissen Sync-Tools ab. Flach designen, max. 3 Ordner-Ebenen.
  • Externe Freigaben offen: Standardmässig "anyone with the link" → Datenleck. Tenant-weit Default auf "specific people" stellen.
  • Backup vergessen: Kein Cloud-Anbieter macht echtes Backup gegen Ransomware. Drittanbieter (Veeam, kBackup, Synology Active Backup) zwingend.
  • Versionierung nicht aktiviert: Mitarbeiter speichert über, älterer Stand weg. Versionierung per Default an, mind. 90 Tage Aufbewahrung.
  • Lizenz-Drift: Nach 2 Jahren zahlt man für 50 User, hat aber nur noch 35 aktive. Quartalsweise Lizenz-Audit zwingend.

Fazit: Es kommt auf den Use Case an

OneDrive ist 2026 für die meisten Schweizer KMU richtig – wer M365 hat, soll nicht künstlich ein zweites Tool dazustellen. Sonderfälle: Berufsgeheimnis (Tresorit/Proton), volumenstarke Archive (kDrive), reine Marketing/Design-Welt (Google Workspace/Dropbox).

Wichtiger als das Logo auf der Rechnung: AVV unterschreiben, Datenresidenz konfigurieren, MFA pflicht, externes Backup einrichten, Versionierung aktivieren. Dann wird selbst OneDrive revDSG-konform – und ohne diese Schritte ist auch kDrive eine Compliance-Falle.

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