Kurz vorweg: Es gibt nicht den einen besten Cloud-Speicher. Für M365-Häuser ist OneDrive richtig (sofern korrekt konfiguriert). Für volumenstarke Datei-Archive ist Infomaniak kDrive der Preis-Champion. Für Anwälte, Treuhänder und Praxen mit hochsensiblen Daten gewinnt Tresorit oder Proton Drive (Zero-Knowledge). Wer alle Daten zwingend in der Schweiz braucht, fährt mit kDrive oder pCloud Swiss am direktesten.
Die 5 Entscheidungsfragen vor jeder Cloud-Wahl
Wie sensibel sind die Daten?
Health-, HR-, Finanz- oder Anwaltsdaten brauchen Zero-Knowledge oder Datenstandort Schweiz. Reine Marketing-Files sind unkritisch.
M365 oder Workspace bereits im Einsatz?
Wer schon M365 nutzt, hat OneDrive (1 TB/User) inklusive. Ein zweites Tool ist redundant – ausser für spezielle Use Cases.
Wie gross ist das Datenvolumen?
Reine Office-Daten: 50–200 GB pro User. CAD/Video/Foto: 1–10 TB pro User. Volumenstarke Profile sind in OneDrive teuer.
Compliance: revDSG, Berufsgeheimnis, Cloud Act?
Anwälte, Ärzte, Banken haben verschärfte Pflichten. Cloud Act erlaubt US-Behörden Zugriff auf Daten von US-Anbietern – auch im EU-Rechenzentrum.
Welche Apps müssen integrieren?
Bexio, Abacus, Adobe, CAD-Tools, ERPs haben unterschiedliche Cloud-Connectoren. OneDrive und Google Drive sind am breitesten unterstützt.
Anbieter im direkten Vergleich
| Anbieter | Standort | Preis (Business) | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Infomaniak kDrive | CH (Genf, Wallis) | CHF 5.83/User/Mt unlim. | 100% Schweiz, sehr günstig, gute mobile Apps, Office-Online-View | Office-Integration nur Web (kein nativer Word/Excel-Co-Author) |
| pCloud Business | CH (Sitz), CH/EU/US wählbar | CHF 9.99/User/Mt 1 TB | Lifetime-Pläne (selten geworden), Crypto-Folder, breite Geräte-Unterstützung | Sync-Engine nicht ganz auf OneDrive-Niveau, Business-Tier eher klein |
| Tresorit Business | CH/EU (Wallis & DE) | CHF 14.50/User/Mt 1 TB | Zero-Knowledge ohne Zusatztools, FINMA/HIPAA-tauglich, beste Compliance-Story | Teuer, weniger App-Integrationen, etwas kantige UX |
| Proton Drive Business | CH (Genf) | CHF 7.99/User/Mt 1 TB | Zero-Knowledge, Sitz Schweiz, integriert mit Proton Mail/Calendar | Junges Produkt, Sync-Tooling noch reift, kein Office-Co-Authoring |
| Microsoft OneDrive | EU/CH (auf Anfrage) | CHF 5.40/User/Mt 1 TB | Beste Office-Integration, Versionierung 365 Tage, breite App-Welt | Cloud Act, nur Microsoft-Ökosystem, Quoten ab Plan 2 enforced |
| Google Drive (Workspace) | EU/USA | CHF 11.50/User/Mt 2 TB | Echtzeit-Co-Editing seit Tag 1, beste Suche, KI-Features (Gemini) | Cloud Act, Datenstandort weniger granular wählbar als M365 |
| Dropbox Business | EU/USA | CHF 14/User/Mt 5 TB | Beste Sync-Engine technisch, gute mobile Apps, Smart Sync | Zero-Knowledge nur via Add-on, teuer, US-Anbieter |
Preise Stand Mai 2026, exkl. MwSt., Listenpreise – Verhandlungsspielraum bei mehr als 25 Usern oder Mehrjahresverträgen meist 10–20%. Microsoft und Google verlangen für Datenresidenz Schweiz teils Add-on-Lizenzen oder Mindestmengen.
Empfehlung pro Szenario
Klassisches KMU mit M365
OneDrive (im M365-Plan)
1 TB pro User ist meist genug, Word/Excel/Teams nahtlos integriert. Datenresidenz Schweiz im Tenant-Setup wählen, AVV unterzeichnen, MFA pflicht.
Treuhand, Anwalt, Arzt, Coach
Tresorit oder Proton Drive Business
Zero-Knowledge schützt vor Cloud Act und blossen Mitarbeiter-Zugriffen beim Anbieter. Berufsgeheimnis ist mit Standardpaketen aus dem M365-Setup nicht zuverlässig erfüllbar.
Marketing- oder Designagentur
Google Workspace (Drive) oder Dropbox
Echtzeit-Kollaboration auf Designdaten, hohe Sync-Performance, Externe-Freigaben einfach. Adobe-CC-Integration wichtig.
Architektur- oder Engineering-Büro
OneDrive (für Office) + NAS (für CAD)
CAD-/Revit-Daten gehören aufgrund Volumen und Performance auf das NAS. OneDrive für Pläne, PDFs und Korrespondenz.
Volumen-Archiv (Foto, Video, Backup)
kDrive Business unbegrenzt
Bei 5+ TB pro User ist kDrive deutlich günstiger als OneDrive. CH-Standort, S3-API, gut für Backup-Senken.
Hochregulierte Branche (Bank, Versicherung)
Tresorit + Sovereign Cloud (Swisscom, Exoscale)
FINMA-Vorgaben verlangen Datenstandort, Audit-Logs, dedizierte Tenants. Klassische Public Cloud reicht oft nicht.
Cloud Act, revDSG und das Schweizer Berufsgeheimnis
Der US Cloud Act (2018) verpflichtet US-Cloud-Anbieter zur Herausgabe von Daten an US-Behörden – unabhängig vom Speicherort. Das gilt für Microsoft, Google, Amazon, Dropbox. Für Schweizer KMU mit Standardprozessen reicht ein gut konfiguriertes M365 trotzdem in den meisten Fällen aus, wenn:
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit Microsoft / Google unterzeichnet ist.
- Datenresidenz EU/CH im Tenant gewählt wurde.
- Verschlüsselung in Transit und at Rest aktiviert ist.
- Multi-Faktor-Authentisierung für alle User pflicht ist.
- Verarbeitungsverzeichnis (revDSG Art. 12) gepflegt wird.
- Hochsensible Daten zusätzlich clientseitig verschlüsselt sind (Cryptomator, Boxcryptor-Nachfolger).
Für Berufsgeheimnisträger (Anwälte, Ärzte, Banken, Versicherungen) reicht das nicht. Hier ist Zero-Knowledge-Architektur Standard – also Anbieter, bei denen selbst der Provider den Inhalt nicht entschlüsseln kann (Tresorit, Proton, oder Microsoft + Cryptomator).
Migration in 4 Wochen
- Woche 1: Inventur (welche Daten, welche Volumen, wer hat Zugriff, welche Apps brauchen Sync), Anbieter wählen, Pilotgruppe definieren (3–5 User).
- Woche 2: Tenant aufsetzen, Verzeichnisstruktur designen (max. 3 Ebenen tief), Berechtigungen rollenbasiert definieren, Pilotgruppe migrieren (Mover.io, MultCloud, GoodSync für KB-/GB-Bereich; rclone für Profis).
- Woche 3: Pilot-Feedback einarbeiten, Schulungs-Material erstellen (5-Min.-Video reicht meistens), Mitarbeiterkommunikation, Cutover-Datum für ganze Firma kommunizieren.
- Woche 4: Vollmigration in Wellen (Abteilung pro Tag), 30-Tage-Parallel-Betrieb der Quell-Cloud (Read-Only), nach 30 Tagen: alte Cloud kündigen, Archiv ziehen.
Typische Stolpersteine
- Niemand prüft die AVV: Anbieterwechsel ohne unterzeichneten Auftragsverarbeitungsvertrag ist revDSG-Verstoss.
- Pfade zu lang: Windows-Pfade über 260 Zeichen reissen Sync-Tools ab. Flach designen, max. 3 Ordner-Ebenen.
- Externe Freigaben offen: Standardmässig "anyone with the link" → Datenleck. Tenant-weit Default auf "specific people" stellen.
- Backup vergessen: Kein Cloud-Anbieter macht echtes Backup gegen Ransomware. Drittanbieter (Veeam, kBackup, Synology Active Backup) zwingend.
- Versionierung nicht aktiviert: Mitarbeiter speichert über, älterer Stand weg. Versionierung per Default an, mind. 90 Tage Aufbewahrung.
- Lizenz-Drift: Nach 2 Jahren zahlt man für 50 User, hat aber nur noch 35 aktive. Quartalsweise Lizenz-Audit zwingend.
Fazit: Es kommt auf den Use Case an
OneDrive ist 2026 für die meisten Schweizer KMU richtig – wer M365 hat, soll nicht künstlich ein zweites Tool dazustellen. Sonderfälle: Berufsgeheimnis (Tresorit/Proton), volumenstarke Archive (kDrive), reine Marketing/Design-Welt (Google Workspace/Dropbox).
Wichtiger als das Logo auf der Rechnung: AVV unterschreiben, Datenresidenz konfigurieren, MFA pflicht, externes Backup einrichten, Versionierung aktivieren. Dann wird selbst OneDrive revDSG-konform – und ohne diese Schritte ist auch kDrive eine Compliance-Falle.
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