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IT-Infrastruktur

VMware Alternative Schweiz: Proxmox, Hyper-V, Nutanix

Nach der Broadcom-Übernahme haben sich die VMware-Lizenzen für viele Schweizer KMU verdrei- bis verfünffacht. Welche Alternativen 2026 wirtschaftlich und technisch tragen, wie der Wechsel sauber gelingt – und was Sie unterwegs vermeiden müssen.

Autor: Gian Marco Ma Mai 2026 11 Min. Lesezeit

Kurz vorweg: Broadcom hat Ende 2023 VMware übernommen, Perpetual-Lizenzen abgeschafft und die rund 8’000 SKUs auf wenige Bundle-Pakete reduziert. Die Folge: Viele Schweizer KMU bekommen 2026 Verlängerungs-Offerten, die zwei- bis fünfmal so hoch sind wie 2023. Der Markt reagiert: Proxmox, Hyper-V, Nutanix und XCP-ng gewinnen massiv Marktanteile – auch in der Schweiz.

Was sich bei VMware 2024–2026 geändert hat

1

Ende der Perpetual-Lizenzen

Seit 2024 keine Einmal-Lizenzen mehr – nur noch Subscription. Wer in der Vergangenheit gekauft hat, zahlt jetzt für die Verlängerung deutlich mehr oder verliert den Support.

Effekt: Aus CapEx wird OpEx – mit unklarer Preisentwicklung über die Vertragslaufzeit hinaus.
2

Bündelung in VVF und VCF

Die meisten Standalone-SKUs sind weg. VMware verkauft VVF (vSphere Foundation) und VCF (Cloud Foundation) – beides per Core lizenziert, mit Mindestabnahme von 16 Cores pro CPU.

Effekt: Auch kleine Cluster zahlen Pakete, die deutlich mehr enthalten, als sie nutzen.
3

Channel-Reduktion

Broadcom hat den Partner-Channel drastisch konsolidiert. Viele Schweizer Reseller verloren den Status; KMU verlieren ihren langjährigen Ansprechpartner.

Effekt: Verhandlungsspielraum sinkt, Reaktionszeit bei Lizenz-Themen steigt.
4

Free ESXi abgekündigt

Der kostenlose ESXi-Hypervisor wurde 2024 endgültig eingestellt. Wer ihn für Test-, Schulungs- oder Mikro-Setups nutzt, braucht eine Alternative.

Effekt: Auch Heim-Labore und Build-Umgebungen migrieren auf Proxmox, XCP-ng oder Hyper-V Server.
5

Preisexplosion bei Verlängerung

Berichte aus der Schweiz: Verlängerungs-Offerten 2026 zwei- bis fünffach höher als 2023, teils mit Pflicht zu höheren Editionen. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung kippt.

Effekt: Auch konservative KMU prüfen 2026 ernsthaft den Hypervisor-Wechsel.

Die Alternativen im direkten Vergleich

PlattformLizenz/Sockel/JahrStärkeSchwäche
Proxmox VECHF 1’100–4’400Open Source, KVM+LXC, ZFS, integriertes BackupBedienkomfort < vCenter, weniger Drittanbieter-Tools
Microsoft Hyper-Vin Windows Server enthaltenEnge M365/Azure-Integration, Live Migration, breiter SupportNur sinnvoll mit M365-Stack, Storage-Stack komplexer
Nutanix AHVab CHF 5’000Hyperkonvergent, einfache Bedienung, sehr gutes ManagementHardware-Bindung, höhere Einstiegskosten
XCP-ng (Xen)ab CHF 750Open Source, Citrix-Erbe, leichtgewichtig, klare LizenzKleinere Community als Proxmox
Azure Stack HCICHF 12.– /Core/MonatHybrid Cloud, Azure-Tools, integriertes PatchingTiefe Microsoft-Bindung, höhere Komplexität
Public Cloud (Azure/AWS)pay-as-you-goKeine Hardware, Skalierbarkeit, viele Managed ServicesDatenschutz/Latenz, OPEX statt CAPEX, Preisrisiko

Für die meisten Schweizer KMU mit 3–20 Hosts ist Proxmox VE die pragmatische erste Wahl: Open Source, vollwertige Cluster-Funktionen, integriertes Backup, faire Preise. Hyper-V ist für M365-zentrierte Häuser attraktiv, Nutanix für Premium-Setups, XCP-ng als schlanke Alternative für Citrix-Veteranen.

Migrationspfade in 4 Phasen

  • Phase 1 (Woche 1–2): Inventur – wieviele VMs, welche Hosts, welche Storage-Typen, welche Backup- und Replikations-Lösungen sind im Einsatz. Lizenz-Status, vCenter-Topologie, vSAN/NFS-Volumes erfassen.
  • Phase 2 (Woche 3–4): Pilot mit der gewählten Alternative auf 1–2 Hosts. 2–3 unkritische VMs migrieren (z.B. Druckserver, Test-Webserver). Backup, Restore und Live-Migration einmal sauber durchspielen.
  • Phase 3 (Woche 5–8): Wellen-Migration. Pro Woche 5–15 VMs konvertieren – v2v Tools (Proxmox VMware-Importer, Veeam VAW, Starwind V2V) helfen massiv. Datenbanken via App-konsistentem Snapshot, nicht per Live-Move.
  • Phase 4 (Woche 9–12): Konsolidierung – alte ESXi-Hosts dekommissionieren oder neu provisionieren, Backup- und Monitoring-Stack auf neue Plattform anpassen, Runbooks und Dokumentation aktualisieren.

Wirtschaftlichkeit: Beispielrechnung KMU

SzenarioVMware (VVF, 96 Cores)Proxmox (3 Sockel, Premium)
Lizenz pro Jahr≈ CHF 60’000CHF 13’200
Backup (Veeam vs. PBS)CHF 8’000CHF 0 (PBS Open Source)
Support (Premium)enthaltenenthalten
Migrationskosten (einmalig)CHF 12’000–25’000
Effektiv pro Jahr (3-Jahres-Sicht)≈ CHF 68’000≈ CHF 19’000

Bei einem typischen Mittelstands-Cluster (3 Hosts × 32 Cores) liegt die Einsparung bei rund 70% pro Jahr. Selbst inklusive einmaliger Migrationskosten amortisiert sich der Wechsel in der Regel innerhalb von 12–18 Monaten.

Stolpersteine im Wechsel

  • Drittanbieter-Backup nicht zertifiziert für die neue Plattform – Vorab prüfen, ob Veeam, Acronis oder Altaro für Proxmox/Hyper-V/Nutanix supportet sind.
  • Spezifische VMware-Tools (Distributed Switch, NSX, vSAN) ohne 1:1-Pendant – Architektur muss zum Teil neu gedacht werden, statt nur „Plattform tauschen".
  • Hardware-Kompatibilität – einzelne Storage-Karten oder NICs sind unter ESXi zertifiziert, unter Proxmox/Hyper-V nicht. HCL prüfen.
  • Snapshots vor Migration nicht konsolidiert – führt zu massiv längerer Konvertierungszeit oder gebrochenen VMs.
  • Lizenzmodelle der Workloads (Windows Server, SQL Server) prüfen – manche Microsoft-Lizenzen erlauben nur bestimmte Hypervisoren ohne Mobility-SA.
  • Skill-Lücke im Team – Proxmox/Hyper-V/Nutanix erfordern andere Operations-Routinen. Schulung früh einplanen, nicht erst nach Migration.

Fazit: Wechsel lohnt sich – mit Plan

Die Broadcom-Strategie zwingt viele Schweizer KMU 2026 zu einer Grundsatzentscheidung: VVF/VCF zähneknirschend verlängern oder den Hypervisor wechseln. Wirtschaftlich spricht in den meisten Fällen sehr viel für den Wechsel – Faktor 3–10 weniger Lizenzkosten pro Jahr sind realistisch. Technisch ist Proxmox VE 8/9 oder Hyper-V auf Windows Server 2025 für KMU-Workloads vollwertig.

Wichtig: Wer migriert, verändert nicht nur den Hypervisor, sondern auch Backup, Monitoring und Operations-Routinen. Mit einem klaren Phasenplan, einer pilotgetesteten Architektur und einem Schulungsbudget gelingt der Wechsel in 8–12 Wochen ohne ungeplante Ausfallzeit.

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