Kurz vorweg: Broadcom hat Ende 2023 VMware übernommen, Perpetual-Lizenzen abgeschafft und die rund 8’000 SKUs auf wenige Bundle-Pakete reduziert. Die Folge: Viele Schweizer KMU bekommen 2026 Verlängerungs-Offerten, die zwei- bis fünfmal so hoch sind wie 2023. Der Markt reagiert: Proxmox, Hyper-V, Nutanix und XCP-ng gewinnen massiv Marktanteile – auch in der Schweiz.
Was sich bei VMware 2024–2026 geändert hat
Ende der Perpetual-Lizenzen
Seit 2024 keine Einmal-Lizenzen mehr – nur noch Subscription. Wer in der Vergangenheit gekauft hat, zahlt jetzt für die Verlängerung deutlich mehr oder verliert den Support.
Bündelung in VVF und VCF
Die meisten Standalone-SKUs sind weg. VMware verkauft VVF (vSphere Foundation) und VCF (Cloud Foundation) – beides per Core lizenziert, mit Mindestabnahme von 16 Cores pro CPU.
Channel-Reduktion
Broadcom hat den Partner-Channel drastisch konsolidiert. Viele Schweizer Reseller verloren den Status; KMU verlieren ihren langjährigen Ansprechpartner.
Free ESXi abgekündigt
Der kostenlose ESXi-Hypervisor wurde 2024 endgültig eingestellt. Wer ihn für Test-, Schulungs- oder Mikro-Setups nutzt, braucht eine Alternative.
Preisexplosion bei Verlängerung
Berichte aus der Schweiz: Verlängerungs-Offerten 2026 zwei- bis fünffach höher als 2023, teils mit Pflicht zu höheren Editionen. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung kippt.
Die Alternativen im direkten Vergleich
| Plattform | Lizenz/Sockel/Jahr | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Proxmox VE | CHF 1’100–4’400 | Open Source, KVM+LXC, ZFS, integriertes Backup | Bedienkomfort < vCenter, weniger Drittanbieter-Tools |
| Microsoft Hyper-V | in Windows Server enthalten | Enge M365/Azure-Integration, Live Migration, breiter Support | Nur sinnvoll mit M365-Stack, Storage-Stack komplexer |
| Nutanix AHV | ab CHF 5’000 | Hyperkonvergent, einfache Bedienung, sehr gutes Management | Hardware-Bindung, höhere Einstiegskosten |
| XCP-ng (Xen) | ab CHF 750 | Open Source, Citrix-Erbe, leichtgewichtig, klare Lizenz | Kleinere Community als Proxmox |
| Azure Stack HCI | CHF 12.– /Core/Monat | Hybrid Cloud, Azure-Tools, integriertes Patching | Tiefe Microsoft-Bindung, höhere Komplexität |
| Public Cloud (Azure/AWS) | pay-as-you-go | Keine Hardware, Skalierbarkeit, viele Managed Services | Datenschutz/Latenz, OPEX statt CAPEX, Preisrisiko |
Für die meisten Schweizer KMU mit 3–20 Hosts ist Proxmox VE die pragmatische erste Wahl: Open Source, vollwertige Cluster-Funktionen, integriertes Backup, faire Preise. Hyper-V ist für M365-zentrierte Häuser attraktiv, Nutanix für Premium-Setups, XCP-ng als schlanke Alternative für Citrix-Veteranen.
Migrationspfade in 4 Phasen
- Phase 1 (Woche 1–2): Inventur – wieviele VMs, welche Hosts, welche Storage-Typen, welche Backup- und Replikations-Lösungen sind im Einsatz. Lizenz-Status, vCenter-Topologie, vSAN/NFS-Volumes erfassen.
- Phase 2 (Woche 3–4): Pilot mit der gewählten Alternative auf 1–2 Hosts. 2–3 unkritische VMs migrieren (z.B. Druckserver, Test-Webserver). Backup, Restore und Live-Migration einmal sauber durchspielen.
- Phase 3 (Woche 5–8): Wellen-Migration. Pro Woche 5–15 VMs konvertieren – v2v Tools (Proxmox VMware-Importer, Veeam VAW, Starwind V2V) helfen massiv. Datenbanken via App-konsistentem Snapshot, nicht per Live-Move.
- Phase 4 (Woche 9–12): Konsolidierung – alte ESXi-Hosts dekommissionieren oder neu provisionieren, Backup- und Monitoring-Stack auf neue Plattform anpassen, Runbooks und Dokumentation aktualisieren.
Wirtschaftlichkeit: Beispielrechnung KMU
| Szenario | VMware (VVF, 96 Cores) | Proxmox (3 Sockel, Premium) |
|---|---|---|
| Lizenz pro Jahr | ≈ CHF 60’000 | CHF 13’200 |
| Backup (Veeam vs. PBS) | CHF 8’000 | CHF 0 (PBS Open Source) |
| Support (Premium) | enthalten | enthalten |
| Migrationskosten (einmalig) | – | CHF 12’000–25’000 |
| Effektiv pro Jahr (3-Jahres-Sicht) | ≈ CHF 68’000 | ≈ CHF 19’000 |
Bei einem typischen Mittelstands-Cluster (3 Hosts × 32 Cores) liegt die Einsparung bei rund 70% pro Jahr. Selbst inklusive einmaliger Migrationskosten amortisiert sich der Wechsel in der Regel innerhalb von 12–18 Monaten.
Stolpersteine im Wechsel
- Drittanbieter-Backup nicht zertifiziert für die neue Plattform – Vorab prüfen, ob Veeam, Acronis oder Altaro für Proxmox/Hyper-V/Nutanix supportet sind.
- Spezifische VMware-Tools (Distributed Switch, NSX, vSAN) ohne 1:1-Pendant – Architektur muss zum Teil neu gedacht werden, statt nur „Plattform tauschen".
- Hardware-Kompatibilität – einzelne Storage-Karten oder NICs sind unter ESXi zertifiziert, unter Proxmox/Hyper-V nicht. HCL prüfen.
- Snapshots vor Migration nicht konsolidiert – führt zu massiv längerer Konvertierungszeit oder gebrochenen VMs.
- Lizenzmodelle der Workloads (Windows Server, SQL Server) prüfen – manche Microsoft-Lizenzen erlauben nur bestimmte Hypervisoren ohne Mobility-SA.
- Skill-Lücke im Team – Proxmox/Hyper-V/Nutanix erfordern andere Operations-Routinen. Schulung früh einplanen, nicht erst nach Migration.
Fazit: Wechsel lohnt sich – mit Plan
Die Broadcom-Strategie zwingt viele Schweizer KMU 2026 zu einer Grundsatzentscheidung: VVF/VCF zähneknirschend verlängern oder den Hypervisor wechseln. Wirtschaftlich spricht in den meisten Fällen sehr viel für den Wechsel – Faktor 3–10 weniger Lizenzkosten pro Jahr sind realistisch. Technisch ist Proxmox VE 8/9 oder Hyper-V auf Windows Server 2025 für KMU-Workloads vollwertig.
Wichtig: Wer migriert, verändert nicht nur den Hypervisor, sondern auch Backup, Monitoring und Operations-Routinen. Mit einem klaren Phasenplan, einer pilotgetesteten Architektur und einem Schulungsbudget gelingt der Wechsel in 8–12 Wochen ohne ungeplante Ausfallzeit.
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